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Arbeit ade: Wer mit 55 den Job verliert hat kaum mehr Chancen

Arbeit ade: Wer mit 55 den Job verliert hat kaum mehr Chancen

Wer in der Blüte seines Lebens den Job verliert, hat auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr Chancen. Immer mehr ältere Menschen müssen deshalb Hartz IV beziehen oder werden mit Abschlägen in den Vorruhestand geschickt. Diese Menschen, so der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD), seien für den „ersten Arbeitsmarkt“ zu alt und für die Rente zu jung. Ein wachsendes Problem.

Wer im Alter von 55 Jahren heute arbeitslos wird, hat es nicht leicht. Ältere Erwerbslose sind nach wie vor die großen Verlierer auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit sinkt angeblich – und angeblich gibt es die Deutschland Vollbeschäftigung. Gerade in den Zeiten des konjunkturellen Aufschwungs sollte man meinen, dass Menschen mit langer Berufserfahrung gebraucht werden. Doch dem ist nicht so. Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net): „Die Chancen für Langzeitarbeitslose haben sich in den letzten Jahren überhaupt nicht verbessert. Im Gegenteil.“

Immer wieder fordern Mandatsträger ein Umdenken bei den Unternehmern. Man solle doch den Älteren eine Chance geben. Doch dieses Umdenken fand nie statt. Außerdem, so Hoffmann, seien ältere Arbeitslose für die Betriebe zu teuer: „Wer heute guten Umsatz generieren will, braucht billige Arbeitskräfte. Und Unternehmer, die kein speziell geschultes Personal brauchen, bekommen die über das Arbeitsamt. Vom Praktikanten bis zum Leiharbeiter. All diese Formen der unterbezahlten Beschäftigung sind wahre Killer für echte Arbeitsstellen.“ Kein Wunder also, dass unter den älteren Arbeitslosen in Deutschland mehr als 120.000 Akademiker und Facharbeiter sind.

Dass man sich mit älteren Arbeitslosen so wenig beschäftigt, hängt auch damit zusammen, dass sie kaum in den Arbeitslosenzahlen auftauchen. Kein Wunder, denn wer über 58 Jahre ist und ein Jahr lang ohne Stellenangebot war, fliegt aus der Statistik heraus. Für den DSD-Geschäftsführer eine elegante Korrektur der Statistik: „Ebenso frech finde ich persönlich die Zwangsverrentung ab dem 63. Lebensjahr.  Da ist Altersarmut schon vorprogrammiert.“ Anders ausgedrückt: die Arbeitslosen, die in der Statistik nicht mehr auftauchen, werden mit 63 Jahren in die Zwangsrente mit Abschlägen geschickt. Viele von ihnen müssen dann Sozialleistungen beantragen. „Wer sich die demografische Entwicklung in Deutschland und die angeblich sinkende Zahl der Arbeitslosen ansieht, weiß bescheid“, so Hoffmann.

In den kommenden Monaten werden die Themen Arbeitslosigkeit, Frührente und Altersarmut sicherlich wieder verstärkt in die Öffentlichkeit rücken. Das habe mit dem beginnenden Wahlkampf zu tun, so der DSD-Geschäftsführer.

 

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