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„Gesellschaftliche Teilhabe“ findet meist nur auf dem Papier statt

„Gesellschaftliche Teilhabe“ findet meist nur auf dem Papier statt

Wer Hartz IV beziehen muss, führt ein karges Leben. Eine echte Teilhabe an der Gesellschaft gibt es für ihn nicht. Zumindest nicht im wahren Leben. Auf dem Papier dagegen schon. Das Bundesverfassungsgericht hatte einmal erklärt, dass das Existenzminimum auch ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen leben beinhaltet.

Die Politik indes sieht dies anders. Das Existenzminimum wird auf das rein physische reduziert, denn die Ausgaben der Referenzgruppe für Restaurantbesuche, Kantinen oder Kinobesuche, die für die Berechnung des Existenzminimums hergenommen wird, werden nicht berücksichtigt. Dennoch sind diese Aktionen ein Teil des menschenwürdigen Daseins.

Die Folge ist der Rückzug der Betroffenen. Eine soziale Isolation ist bei Hartz-IV quasi „schon mit drin“. Kontakte zu Nachbarn oder ehemaligen Arbeitskollegen werden reduziert, meist sogar abgebrochen. Schließlich schämt man sich für die eigene Situation. Quer durch die Republik berichten Sozialverbände, dass Hartz-IV-Empfänger ihre Ausgaben allein auf die Grundbedürfnisse wie wohnen, sparsamstes Heizen und billiges Essen reduzieren. Die sozialen Ausgaben wie Kinobesuch oder eine Fahrt mit den Kindern in den Zoo, müssen dagegen gestrichen werden.

Wer Kinder hat, hat weitere Probleme. Denn die vorgesehenen Beträge, wie z. B. für Schuhe reichen nicht. Und auch wenn Nicht-Betroffene es nicht verstehen können: Ein Kind, das mit billigen Turnschuhen aus dem Einkaufsmarkt zum Sportunterricht kommt, wird schon von klein auf ausgegrenzt. Ein Teufelskreis, der schon früh beginnt und aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Grundsätzlich muss für alle Hartz-IV-Empfänger gelten: Lassen Sie jeden Bescheid, jeden Mehrbedarf und jede Sanktion von fachkundiger Stelle prüfen. Das kostet, wie bei uns z. B., keinen Cent, bringt aber im Zweifel finanzielle Vorteile. Denn noch immer ist fast die Hälfte aller Bescheide fehlerhaft. Und der Leistungsempfänger ist letztlich dem Wohlwollen seines Beraters ausgesetzt. 

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