Bild: Screenshot Jobbörse

Hartz IV: Bewerben um der Bewerbung willen

Hartz IV: Bewerben um der Bewerbung willen

Wer Hartz IV bezieht, muss sich ständig bewerben. Ob der angebotene Job dabei tatsächlich langfristig Sinn macht, ist fragwürdig. Viele Arbeitgeber veröffentlichen ihre offene Stellen nicht mehr auf der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA), weil sie dann von fachfremden Bewerbungen überhäuft werden.

Wer einen Job auf www.jobboerse.arbeitsagentur.de sucht, findet heute eine Vielzahl von Arbeitsvermittlern, die garantiert den richtigen Job haben. Dass es sich dabei um einen Job und keine wirkliche langfristige Arbeit mit Aussicht auf Karriere und damit steigendem Einkommen handelt, ist mittlerweile jedem klar. Und da es diese Arbeits- und Personalvermittler zuhauf gibt, werden Hartz-IV-Empfänger auch immer wieder genötigt, sich zu bewerben. Viele dieser „offenen Stellen“ gibt es gar nicht, da die Personalvermittler und Zeitarbeitsfirmen pauschale Stellen ausschreiben. Damit erhöhen sie „ihren“ Personalstamm und stehen bei potentiellen Geschäftspartnern besser da.

Normale Arbeitgeber, also jene, die einen ordentlichen Lohn zahlen und Menschen für langfristige Beschäftigung suchen, schreiben ihre offenen Stellen schon gar nicht mehr bei den Arbeitsagenturen aus. Das liegt daran, dass sie dann von Bewerbungen und Angeboten von Arbeitsvermittlern überflutet werden – natürlich auch von jenen, die für die offene Stelle gar nicht geeignet sind. Da die Jobcenter ihren „Kunden“ aber vorschreiben, wie viele Bewerbungen sie im Monat schreiben müssen, bewerben sich die „Kunden“ dann auch auf jeden Job.

Während Arbeitgeber oft verzweifelt Fachpersonal suchen, machen Arbeitsvermittler ein gutes Geschäft. Schließlich verdienen diese an der verliehenen Arbeitskraft gutes Geld. Besonders schlimm ist das für rund 750.000 Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, die keinen Job haben. Sie werden auch nicht wirklich gefördert, sondern in Arbeitnehmerüberlassungen und Ein-Euro-Jobs gesteckt. Ein Teufelskreis ohne echte Chance auf langfristige und lohnende Arbeit.

Immer wieder muss man sich die Frage stellen, ob es Sinn macht, einen Menschen in einen Job zu vermitteln, in dem er so wenig verdient, dass er als Aufstocker staatlich subventioniert werden muss. 

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