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Hartz IV Kommentar in der BILD: Hetzerische Dummheit

Hartz IV Kommentar in der BILD: Hetzerische Dummheit

Heute ein Kommentar des DSD-Geschäftsführers

Dass die BILD kein Freund von Hartz-IV-Empfängern ist, ist bekannt. Dass sie gern um ihrer Verkaufszahlen willen provoziert auch. Dennoch, so Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD, www.mehr-hartz4.net), müsse man solche Kommentare, die in diesen Tagen mehr als unangebracht sind, zumindest kommentieren.

„Falsches Spiel mit Hartz IV“, so der Titel eines Kommentars von Jan W. Schäfer heute in der BILD, der  Menschen, die tagtäglich um ihr Überleben kämpfen müssen, beleidigt. Angegriffen werden zunächst die Grünen, die vorgeschlagen haben, man möge doch endlich die Sanktionen abschaffen. Dass die Grünen der BILD ein Dorn im Auge sind, ist klar. Schließlich weisen Kommunikationswissenschaftler immer wieder nach, dass gerade die BILD implizite Wahlwerbung für die Unionsparteien betreibt. Da nutzt man solche grünen Steilvorlagen gern.

Was man dem Kommentator zugute halten muss: Er weiß, wie man journalistische Kommentare schreibt. Dazu gehören: Eine reißerische Überschrift; die eigene Meinung wird so formuliert, dass der Leser glauben könnte, dass sie eine Mehrheitsmeinung ist;  gute Parataxen (also kurze, einprägsame Sätze), rücksichtslose Vereinfachung komplexer Zusammenhänge. Vergessen wir nicht: Ein Kommentar gibt die Meinung des Verfassers wider. Unabhängig davon, wie blöd diese ist.

Dass derartig niveaulose Kommentare eine solche Plattform bekommen ist ärgerlich. Aber wenigstens ein Zeichen dafür, dass auch der Springer-Verlag den heftigen Gegenwind aus freien Medien spürt. Zum Glück muss man sagen. Denn für den BILD-Leser, der ohne Hintergrundwissen solche Kommentare abnickt, sind sie Grundlage für  jede Brotzeit- oder Wirtshausdiskussion.

Und man schimpft dann auf die, die jetzt natürlich noch faul im Bett liegen. Man regt sich auf, dass die „faule Brut“ vom eigenen Geld bezahlt wird. Und man kommt vom Einen ins Andere. Wie gut früher alles war. Als noch die Grenzen dicht waren. Als es noch die D-Mark gab. Als man noch mit dem ausgestreckten, rechten Arm grüßte. Heute? Heute sind alle Andersdenkenden Feinde: Vom Sozialschmarotzer bis zum Islamisten. Alle sind böse, faul, gefährlich und müssen bekämpft werden. Zum Glück der Schimpfenden, von deren überschaubaren Bildungshorizont auch die Verfasser solcher Kommentare leben,  gibt es da (r)echte Hilfe.

Sie sagen, ich übertreibe? Das kann man so nicht schreiben? Vielleicht. Aber vergessen Sie nicht: Ich habe nur kommentiertJ

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