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Die Hauptstadtschande: 16,4 % aller Berliner beziehen Hartz IV

Die Hauptstadtschande: 16,4 % aller Berliner beziehen Hartz IV

Nicht zum ersten Mal schreiben wir über die Hartz-IV-Hauptstadt Berlin. Die Bundeshauptstadt, die nach der Wende zum Sinnbild der Wiedervereinigung von Ost und West wurde, ist heute eher ein Sinnbild für Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Jeder fünfte Berliner Arbeitslose hatte vorher einen richtigen Job in unterschiedlichen Dienstleistungsbereichen. Und jeder fünfte Arbeitslose in Berlin bezog schon im Jahr 2015 Hartz IV. Jeder vierte von ihnen, der einen sozialversicherungspflichtigen Job findet, verliert ihn aber nach einem Jahr wieder.

Bei den Kindern sieht die Berliner Bilanz noch trauriger aus. Jedes dritte minderjährige Kind in Berlin unter drei Jahren bekommt Hartz-IV-Leistungen. Das mag daran liegen, dass die Zahl der Alleinerziehenden in Berlin relativ hoch ist. Jeder zehnte Jobcenter-Kunde war im Jahr 2014 alleinerziehend. Tendenz steigend.

Woran kann es liegen, dass gerade in Berlin die Armut wächst, wie Schimmel auf feuchtem Brot. In den Medien werden dafür Bildungsdefizite und prekäre Beschäftigungsverhältnisse genannt. Auch fehlte die Entwicklungschance in den Berufen. Rund 200.000 Haushalte in Berlin sind verschuldet, das sind mehr als 13 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,2. Und: Jeder dritte Berliner muss – trotz, böse Zungen behaupten auch, wegen – seiner Arbeit aufstocken. Und jeder zehnte ist geringfügig beschäftigt.

Das Seltsame dabei:  Gingen im Jahr 2011 noch knapp 30.000 Hartz-IV-Bezieher vor Gericht, waren es im letzten Jahr nur noch 20.580 – ein Minus von 29,7 Prozent.

Sind Hartz-IV-Bezieher in Berlin also zufriedener als anderswo, oder einfach nur mehr gefrustet?

Denn vergessen wir nicht: Alle Bescheide, die seit Januar 2016 ergangen sind, sind wegen der fehlerhaften Anpassung des Regelbedarfs aus unserer Sicht falsch. Wir empfehlen deshalb allen Empfängern von Sozialleistungen Widerspruch gegen die ergangenen Bescheide einzulegen. Da der Widerspruch innerhalb eines Monats nach Erhalt eingelegt werden muss, sollte man für ältere Bescheide einen Überprüfungsantrag stellen (§ 44 SGB X). Wir helfen Ihnen dabei kostenlos. 

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