Endstation Frust: Vollsanktionierte Hartz-IV-Empfänger

Endstation Frust: Vollsanktionierte Hartz-IV-Empfänger

Mit Zahlen kann man vieles darstellen. Zahlen sind aber nicht immer neutral. So wird dieser Tage die alljährliche Statistik durch die Presse gejagt, die besagt, wie viele Hartz-IV-Empfänger von der Bundesagentur für Arbeit voll sanktioniert werden. Vollsanktionierung, das ist nichts anderes, als die komplette Streichung jeglicher Leistungen. Dass diese Streichung nicht verfassungsgemäß ist, ist klar, wird aber ignoriert. Dennoch lässt der Staat viele Menschen einfach links liegen – wie ein beleidigter Lehrer den pubertären Teenager. 

Im ersten Halbjahr 2016 wurden die Leistungen für über 45.000 Hartz-IV-Bezieher wegen wiederholter Verstöße gegen die Regeln mit zwei oder mehr Bestrafungen belegt worden. Über 27.000 wurden zweimal sanktioniert, über 10.000 dreimal, über 4.000 viermal und über 3.000 Menschen bekamen fünf oder mehr Sanktionen.

Schlimm genug, doch 7.126 Hartz-IV-Empfängern wurden die Leistungen in den Monaten Januar bis Juni 2016 komplett gestrichen. Der Grund: Hartz-IV-Bezieher verweigerten beharrlich die Arbeitsaufnahme oder hielten Termine nicht ein.

Doch lassen Sie uns auch einmal mit Zahlen spielen:

Die Verwaltungskosten für die Stellenvermittlung werden im Jahr mit rund 4,7 Milliarden Euro angegeben. Im vergangenen Jahr konnten 76.000 Menschen erfolgreich vermittelt werden. Das heißt, dass jede erfolgreiche Vermittlung des Jobcenters im vergangenen Jahr über 61.000 Euro gekostet hat. Im Jahr werden von 3 Millionen Hartz-IV-Empfängern durchschnittlich 144 Millionen Bewerbungen für 500.000 offene sozialversicherungspflichtige Stellen geschrieben. Auf jede Stelle bewerben sich demnach rund 288 Menschen, mindestens 287 davon vergebens. Auch wichtig: Diese „offenen Stellen“ sind häufig fingierte Anzeigen von Leiharbeitsfirmen, die nur  ihren potenziellen Personalbestand aufstocken wollen – damit sie als „großes Unternehmen“ an bessere Aufträge kommen. Entschuldigung, aber das ist widerlich. 

Ist es also wirklich verwunderlich, wenn Menschen irgendwann die Nase voll haben? Ist es verwunderlich, wenn Menschen keinen  Sinn mehr darin sehen, ihren Berater aufzusuchen, der ihnen sowieso nicht helfen kann?  Würden Sie für einen Chef arbeiten, der Ihnen keinen Lohn zahlt? 

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