Langzeitarbeitslose noch immer auf dem Abstellgleis?

Langzeitarbeitslose noch immer auf dem Abstellgleis?

In den letzten Tagen kam man schwer um die Nachricht herum, dass es doch ach so gut um den deutschen Arbeitsmarkt stehe. So sind die Arbeitslosenzahlen laut den Agenturen auch tatsächlich gesunken. Doch Vorsicht, dies ist noch kein Grund in Euphorie auszubrechen. Eine nicht unerhebliche Gruppe bleibt nämlich leider immer noch ziemlich außen vor: die Langzeitarbeitslosen.

Gerade diese Menschen hätten es jedoch bitter nötig, vom derzeitigen Boom auf dem Arbeitsmarkt zu profitieren. Zum einen um ihr Selbstwertgefühl zu stärken und zum anderen um endlich das Stigma des Nichtarbeitenwollens loszuwerden. Klar gibt es auch arbeitsscheue Menschen, oftmals werden aber alle Langzeitarbeitslosen zu Unrecht in diesen Topf geworfen. Ihre Chancen auf eine Anstellung stehen deshalb nach wie vor schlecht. Noch immer gibt es gewisse Hemmnisse auf Arbeitgeberseite, nicht selten aufgrund von Vorurteilen.

Diese gilt es natürlich abzubauen und auch anderweitig heißt es mit erhobenem Haupte dem Problem der Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzutreten. Doch wie etwas bewerkstelligen, das bisher offensichtlich nicht großflächig gelungen ist? Wurde tatsächlich einfach noch nicht der richtige Weg eingeschlagen? Hierbei wird immer wieder das Wort Förderprogramm in den Mund genommen. Keine Frage, Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit müssen Unterstützung und Förderung erfahren. Doch muss diese auch sinnvoll und auf die jeweilige Person abgestimmt werden. Genau daran hapert es vielfach noch.

Hartz-IV-Empfänger von einem Gruppen-Bewerbungstraining ins nächste zu schicken ist wenig hilfreich. Vor allem dann, wenn womöglich jeder Trainer auch noch andere Vorstellungen zur perfekten Bewerbung hat. Das stiftet nur unnötig Verwirrung unter den Arbeitslosen. Eine ausreichend individuelle Betreuung ist zudem auch nur schwer möglich. Außerdem muss erst einmal festgestellt werden, ob überhaupt eine falsche Bewerbung das eigentliche Problem ist. Vielleicht fehlt es auch an bestimmten Qualifikationen oder zumindest an einer Auffrischung der Kenntnisse, eventuell auch nur in den Köpfen der Arbeitgeber. Wird nicht das eigentliche Hemmnis behoben, bleibt das Ziel der Arbeitsvermittlung so noch immer in weiter Ferne. Letztlich wird dann Geld für etwas ausgegeben, das nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Wie beispielsweise die „Hersfelder Zeitung“ berichtet, findet seit letztem Jahr jedoch eine intensivere Betreuung statt. Bisher hätten von dem Programm bis Ende Oktober fast 9400 Betroffene profitiert. Mal abgesehen davon, dass die Zahl noch viel zu gering ist, was bedeutet profitiert? Haben die Langzeitarbeitslosen tatsächlich einen Job gefunden, den sie dann auch längerfristig innehaben werden oder haben sie lediglich an dem Programm teilgenommen? Dies gilt es in jedem Fall abzuklären.

Der Zeitung zufolge soll die Zahl der Langzeitarbeitslosen zudem zumindest unter die eine Million Marke gefallen sein. Eine Hinterfragung ist jedoch auch hier notwendig. Ist die Zahl gesunken, weil die Betroffenen in Arbeit gekommen sind oder sind andere Gründe für ihr Herausfallen aus der Statistik verantwortlich? Diese Fragen gilt es zu beantworten, bevor über die Erfolgsaussichten des Programms geurteilt werden kann. Den Langzeitarbeitslosen ist natürlich eine positive Bescheinigung der Aussichten zu wünschen. Es wird schließlich höchste Zeit, dass zielführende Programme auf den Weg gebracht werden.

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