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VORSICHT, ansteckend: Hartz-IV versuchter Bereich

VORSICHT, ansteckend: Hartz-IV versuchter Bereich

Wenn in Deutschland ein junger Mensch Hartz IV beziehen muss, so erzwingt der Staat die nötige Unterstützung von der eigenen Familie und zieht sie so oft selbst in die Abhängigkeit. Klingt komisch, ist aber so – sogar mit dem Segen des Bundesverfassungsgerichts. Ein 21-jähriger Mann hatte die Frechheit besessen, zu klagen, da sein Regelsatz gemindert wurde. Das Amt hatte die Erwerbsunfähigkeitsrente seines Vaters in Höhe von 615 Euro im Monat angerechnet, da der Hartz-IV-Empfänger  zuhause wohnte. Das paradoxe dabei: Arbeitslosigkeit begründet keinen Rechtsanspruch auf Unterhalt. Aber indirekt muss der Vater doch zahlen. Mit 615 Euro, so die Richter, habe der Vater hinreichende Mittel um zur Existenz seines Sohnes beitragen zu können.

Die Agenda 2010 der Schröder-Regierung im Jahr 2005 hat es geschafft, die Unterhaltspflicht zu beenden und sie gleichzeitig zu verschärfen. Denn der Staat stellte sich nun auf den Standpunkt: „Ihr müsst keinen Unterhalt zahlen, aber wenn eure Kinder am Hungertuch nagen, werdet ihr sie wohl nicht verhungern lassen.“ Klar, das tut niemand, aber wer schlau ist, verweist Hilfebedürftige sofort aus dem eigenen Haus. So entgeht man einer Infizierung mit Hartz IV, die meist über die so genannte Bedarfsgemeinschaft einhergeht. Denn wer den Hartz-IV-Empfänger zuhause wohnen lässt, schafft eben diese perfide Erfindung der  Bedarfsgemeinschaft. Diese Regeln gelten für alle. Betroffen sind aber nur die Ärmeren.

Denn ein wirksamer Schutz vor einer Ansteckung ist Geld. Wenn die Eltern in der Lage sind, dem hilfebedürftigen Sohn ein Zimmer oder sogar eine Einlieger-Wohnung im eigenen Haus zu vermieten, können sie der Infektion entgehen. Es entsteht keine Bedarfsgemeinschaft und die elterliche Fürsorge wird vom Jobcenter sogar honoriert. Wer keinen Platz im Haus hat, mietet eine Wohnung in der Stadt und vermietet sie an den Sohn weiter. Natürlich mit einer Miete, die den jeweiligen Höchstsatz nicht übersteigt. Unfair, aber clever. Noch besser: Wer kann, kauft sich eine Eigentumswohnung und vermietet sie. Bei den niedrigen Zinsen aktuell könnte man so mit Hartz-IV-Geldern den eigenen Vermögensaufbau vorantreiben. Wer mehr Geld verdient, hat eben die besseren Möglichkeiten. Und Recht und Gesetz auf seiner Seite. Und was lernen wir daraus? Hartz IV ist hoch ansteckend, eine Seuche, die Sippen-Armut verursacht. Die Heilungschancen sind dabei äußerst gering. 

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