Bild: Westermann

Realistische Regelsätze? 20 Monate sparen für einen Weltatlas

Realistische Regelsätze? 20 Monate sparen für einen Weltatlas

Ab dem nächsten Jahr bekommen Hartz-IV-Empfänger „mehr“ Geld. Das haben auch wir mehrfach berichtet. Die Anhebungen fallen minimal aus und nach wie vor sehen wir diese Sätze als unzureichend an. Was aber immer wieder auffällig ist, ist die schwer verständliche Berechnung der Sätze.

Einen wirklich deutlichen Anstieg gibt es z. b. bei den Regelsätzen für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren. Der liegt bei 8 Prozent. Begründet wird die Anhebung zwar mit der „neuen“ Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes, der eigentliche Bedarf in dieser Altersgruppe ist aber wesentlich höher als berechnet. Klar, die EVS stammt auch schon aus dem Jahr 2015 und hätte – rein rechtlich – schon längst berücksichtigt werden müssen.

Die neuen Regelsätze für kleinere Kinder bis zu sechs Jahren bleiben aber unverändert, obwohl die Preise ja im gleichen Maße steigen. Die Vermutung: Bei der maßgeblichen EVS war der Anteil der älteren Kinder wesentlich höher als bei der vorausgegangenen.

Das eigentlich Schlimme an den Hartz-IV-Regelsätzen ist deren Zusammensetzung. Von den aktuell noch geltenden 404 Euro im Monat sind für Gesundheitspflege gerade einmal 17,37 Euro vorgesehen, für Bildung 1,54 Euro. Wer sich z. B. einen Diercke Weltatlas kaufen möchte, müsste so – theoretisch – fast 20 Monate den Bildungsanteil sparen, für einen Duden fast zehn.

Bei der Neuberechnung der Regelsätze werden neben der Preisentwicklung für Güter und Dienstleistungen auch Löhne und Gehälter berücksichtigt. Doch wie sich welcher Effekt in der Statistik niederschlägt, ist kaum nachvollziehbar. Ebenso wenig nachvollziehbar scheinen für viele Hartz-IV-Empfänger auch die Bescheide. Deshalb empfehlen wir eine regelmäßige professionelle Überprüfung. Wir veranlassen diese für Sie kostenlos. 

© by Deutscher Schutzverband gegen Diskriminierung e.V. (DSD e.V.)