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Wirtschaftsaufschwung und Armut: Ja, das passt zusammen.

Wirtschaftsaufschwung und Armut: Ja, das passt zusammen.

In Deutschland arbeiten über eine Million Menschen mit so geringem Lohn, dass der Staat einspringen muss, um deren Überleben zu sichern. Das ist nicht neu – Aufstocker, so werden diese Menschen genannt. Im letzten Jahr wurden an Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem bezuschussten Erwerbstätigen fast zehn Milliarden Euro gezahlt. Geld, das der Steuerzahler bezahlen muss, weil die Arbeitgeber zu wenig Lohn bezahlen und der Staat das Lohndumping subventioniert.

Rund zehn Milliarden Steuermittel gehen also Jahr für Jahr über den Tisch um Arbeitsplätze, die noch nicht einmal die Existenz des Arbeitnehmers sichern, zu erhalten.

Immer wieder liest man vom großen Wirtschaftsaufschwung und dem minimalen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Und manch einer fragt sich: Warum partizipieren so wenige Menschen daran? Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern müsste in der Woche 28 Stunden zum Mindestlohn arbeiten, damit sie die Armutsgrenze überschreitet. Das heißt aber noch nicht, dass sie sich und ihren Kindern ein normales Leben leisten könnte.

Deutschland ist Exportweltmeister, das klingt gut. Allerdings nur, weil wir Dank des Niedriglohnsektors günstig produzieren können. Also nicht wirklich wir, sondern die. Die, die ihre Ware so günstig herstellen können, weil der Staat (und damit der Steuerzahler) einen Großteil der Löhne über Zuschüsse bezahlt. Eine Art „Geldwäsche“. Das ist auch der Grund, warum die Wirtschaft UND die Armut in Deutschland wächst. Und das ist auch der Grund, warum nur jeder siebte Langzeitarbeitslose einen Existenz sichernden Arbeitsplatz findet. Doch das wollen viele nicht laut sagen, oder wahrhaben.

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Mehr Arbeit wird es nicht mehr geben, dafür drängen die neuen Mitbürger in den kommenden Jahren auf den Arbeitsmarkt. Wahrscheinlich werden die Reallöhne dann erneut sinken und die Wirtschaft florieren. Wie lange das gut geht, weiß man nicht. Denn wo verkauft werden soll, braucht man auch Käufer, Käufer brauchen Geld und das muss verdient werden. Deshalb schreiben wir auch regelmäßig, dass jeder Hartz-IV-Empfänger JEDEN Bescheid prüfen lassen soll. Denn solange der Staat Lohndumping subventioniert, haben Sie erst recht das Recht auf jeden Cent, der Ihnen zusteht. Doch was Ihnen alles zusteht, erfahren Sie oft nicht einmal beim Jobcenter. Wir helfen Ihnen kostenlos!

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