Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht

Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht

Ein Kommentar in der Süddeutsche Zeitung mit der Überschrift: „Hartz IV ist besser als sein Ruf“ hat mich heute Morgen echt amüsiert. Da schreibt tatsächlich einer, dass die Zustände vor der Reform im Jahr 2005 schlimmer waren als heute, dass es mehr Arbeitslose gab und dass sich kaum jemand um die Vermittlung der Arbeitslosen gekümmert hätte. Heute sei alles besser, die Vermittlung klappe besser und auch der Druck, eine Arbeit annehmen zu müssen, sei gestiegen. Für die Personaldienstleister, Zeitarbeitsfirmen und letztlich viele Betriebe, ist dies sicher ein Gewinn. Für den Betroffenen wohl kaum. Er wird nur von Job zu Job gehetzt, ausgenutzt und bekommt dafür oft nicht mal den Mindestlohn.

Eine wesentliche Errungenschaft von Hartz IV sei, dass sich die Höhe der Unterstützung inzwischen am Bedarf orientiere. Zitat: „Tatsächlich gab es Verlierer, doch insgesamt hat es keine Kürzung gegeben. Stattdessen wurden die staatlichen Ausgaben durch Hartz IV erhöht.“

Natürlich könnte man dem Autor die Frage stellen, weswegen man solche Kommentare verfassen muss. Sicher: Er darf das. Aber warum tut man das und wen spricht man damit an? Diejenigen, die ihr Schäfchen im Trockenen haben, einen Job mit gutem Verdienst und sowieso denken, dass alle Hartz-IV-Empfänger einfach nur zu faul zum Arbeiten sind? Will man die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, die nicht einmal gesetzeskonform sind, schönreden? Tut man das wegen der Wahlen im kommenden Jahr? Wahrscheinlich eine Mischung daraus. Denn die Hand, die einen füttert, beißt man nicht.

Ich bin immer wieder begeistert, wie es Regierungen und Medien schon immer verstanden haben, die Realität so zu verdrehen, dass aus ihr druckbare Propaganda wird. Und gerade in Deutschland kann und konnte man das schon immer besonders gut. 

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