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Ein-Euro-Job: Arbeit, die keine ist, aber bei der gearbeitet wird

Ein-Euro-Job: Arbeit, die keine ist, aber bei der gearbeitet wird

Wer einen Ein-Euro-Job machen muss, arbeitet, ohne dass es ein reguläres Beschäftigungsverhältnis gibt. Arbeit ohne Arbeitsverhältnis? Was bedeutet das für die Betroffenen?

Abgesehen von den Sanktionen bei Weigerung des Betroffenen, begründet ein Ein-Euro-Job keinerlei sonstigen Ansprüche. Weder in der Renten-, Kranken- noch in der Arbeitslosenversicherung. Offiziell arbeitet man nicht, sondern geht einer Beschäftigung auf der Grundlage eines berufspraktischen Einsatzplanes nach. Das Bundessozialgericht hat entschieden, dass ein Ein-Euro-Jobber eine Arbeitszeit von 30 Stunden pro Woche grundsätzlich hinnehmen muss. Das ist aber die Höchstgrenze. Wenn diese Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (wie der Ein-Euro-Job offiziell genannt wird) in einem Betrieb stattfindet, der üblicherweise auch an Sonn- und Feiertagen tätig ist, dann kann auch für den Betroffenen keine Ausnahme gegenüber den regulär Beschäftigten gelten. Allerdings stehen ihm dann auch die üblichen Zuschläge zu, so dass die Mehraufwandsentschädigung in der Regel verdoppelt wird.

Die Höhe der Mehraufwandsentschädigung ist nicht zwingend vorgeschrieben. Sie muss aber so hoch sein, dass der Betreffende seine entstehenden Unkosten und Aufwendungen damit bestreiten kann und ein „gewisser finanzieller Anreiz“ bleibt. Wie reizvoll eine Beschäftigung ist, bei der man in der Praxis einen Stundenlohn zwischen einem und zwei Euro bekommt, sei dahingestellt. Wenigstens bleibt dieses Geld anrechnungs- und steuerfrei. 

Problematisch sind diese Beschäftigungen dennoch. Es besteht das Risiko, dass Hartz-IV-Empfänger dauerhaft oder regelmäßig als Billigjobber herangezogen werden und Arbeitgeber auf die Idee kommen könnten, dafür sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse abzubauen.

Als erwiesen gilt auch, dass Langzeitarbeitslose am häufigsten über einen Eingliederungszuschuss zurück in den Job finden. Ob ein Ein-Euro-Job daher tatsächlich Sinn macht, darf bezweifelt werden. Gerade dann, wenn diese Maßnahme eigentlich eine Arbeit darstellt, die von sozialversicherungspflichtigen Angestellten verrichtet wird. Wer also ständig vom Jobcenter zu solchen Maßnahmen „bemüht“ wird, sollte den Sinn einmal beim Berater hinterfragen und ggf. von uns prüfen lassen. Wir können Ihnen helfen. 

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