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Terminabsage wegen Krankheit: Manchmal geht es auch ohne AU

Terminabsage wegen Krankheit: Manchmal geht es auch ohne AU

Wer beim Jobcenter einen Termin hat und gerade an diesem Tag wirklich krank ist, hat gleich doppelt verloren. Zum einen wird ihm von seinem Berater postwendend unterstellt, dass er gar nicht krank sei, zum anderen können ihm Sanktionen drohen. Dennoch: Nicht immer muss man sofort eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen, wenn man einen Termin nicht wahrnehmen kann.

Das hatte das Sozialgericht in Gießen schon vor über zwei Jahren entschieden (Az.: S 14 AI 112/12). Damals wurde ein Fall verhandelt, in dem ein Hartz-IV-Empfänger akute Mangenschmerzen hatte und einen Termin nicht wahrnehmen konnte. Er meldete sich krank und wurde zur Beibringung der AU aufgefordert. Das hätte der Mann auch gern getan, allerdings waren sein Arzt im Urlaub und dessen Vertretung auch nicht verfügbar. Eine rückwirkende AU konnte der Arzt nach seinem Urlaub natürlich nicht mehr ausstellen.

Das Amt kürzte die Leistungen, der ALG-II-Empfänger klagte. Und bekam vor dem Sozialgericht Gießen Recht. In solch einem Fall sei eine Sanktion nicht gerechtfertigt.  

Gerade Alleinerziehende haben es besonders schwer in Sachen Terminwahrnehmung. Eine Absage eines Termins, wenn das Kind krank ist und keine anderweitige Betreuung organisiert werden kann, ist zulässig. Im Übrigen haben Hartz-IV-Empfänger aber die gleichen Pflichten, wie Arbeitnehmer. Spätestens am vierten Tag der Krankheit muss das ärztliche Attest im Jobcenter vorliegen. 

Wenn Sie Probleme mit dem Jobcenter, einem verpassten Termin oder ähnlichem haben, melden Sie sich. Wir helfen kostenlos.

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