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Bewerbungen auf Stellen, die es gar nicht gibt – mit Praxistipp

Bewerbungen auf Stellen, die es gar nicht gibt –  mit Praxistipp

Wer zu den insgesamt über sechs Millionen Hartz-IV-Empfängern gehört, kennt das Dilemma mit den Bewerbungen. Natürlich kann man es verstehen, dass sich der Arbeitslose selbst engagieren und bemühen muss. Wer allerdings von Zeitarbeitsfirmen angeschrieben wird, die sich auf das Arbeitsamt berufen, sollte wissen, dass es viele dieser Stellen gar nicht gibt. Wie passt das zusammen?

Zeitarbeitsfirmen werden vom Arbeitsamt wenig kontrolliert; viele haben einen direkten Zugang zur Datenbank. Und es geht ihnen dabei weniger um echte Arbeitsvermittlung als um eine große Datenbank. Sie suchen einfach pauschal Menschen und sammeln ihre Daten. Je mehr sie haben, desto besser ist es. Denn so kann man sich in dieser Branche interessant machen, sich eine „Stammbelegschaft“ erschaffen und bei Bedarf Leute vermitteln. Seit Jahren schon gibt es Bemühungen der Bundesagentur für Arbeit (BA), dass nur Stellen gemeldet werden, die es auch tatsächlich gibt und die frei sind. Dafür wurden schon im Jahr 2007 Vereinbarungen zwischen den Zeitarbeitsfirmen und des BA unterschrieben. Doch Papier ist bekanntlich geduldig.

Die verzweifelte Suche nach einem Job ist für Zeitarbeitsfirmen ein gutes Geschäft. Praktisches Beispiel: Ein Unternehmen sucht einen Tischler und meldet dies der Arbeitsagentur. Die Zeitarbeitsfirma, die direkten Zugang zur Datenbank hat, sieht die Ausschreibung  und durchsucht nun ihre Datenbank, wer einmal Tischler gelernt hat. Wird der Arbeitssuchende vermittelt, fließt fortan ein beachtlicher Teil seines Lohnes an die Zeitarbeitsfirma, obwohl auch eine direkte Beschäftigung möglich gewesen wäre. Umgedreht gilt: Bekommt der Tischler den Job direkt beim Arbeitgeber, bleibt die Stellenausschreibung der Zeitarbeitsfirma bestehen. Für einen Job also, den es längst nicht mehr gibt. Der Vorteil: Wer sich bewirbt, liefert Daten. Und für die Statistik der offenen Stellen gibt es auch eine Dublette.

Die Zeitarbeitsbranche ist insgesamt für den Arbeitssuchenden eine Fehlentwicklung. Für die Arbeitsagenturen aber gut, denn sogar eine Vermittlung in einen Job für mindestens sieben Tage zählt als Erfolg und ist denkbar einfach. Mittlerweile gelingen die „Besetzungserfolge“ der Arbeitsagenturen und Jobcenter zu fast 70 Prozent über die Zeitarbeit.

Wer also von einer Leih- oder Zeitarbeitsfirma angeschrieben wird, und sich vorstellen muss, damit er nicht sanktioniert wird, sollte folgendes beachten: Wenn man unterschreiben soll, dass man mit der Datenspeicherung einverstanden ist, sollte man dazuschreiben, dass man dies nur für einen gewissen Zeitraum duldet und die Daten nach Ablauf dieser First zu löschen sind. Das darf man, denn persönliche Daten fallen unter das Persönlichkeitsrecht. Würden das alle tun, könnte man die Leih- und Zeitarbeit eindämmen. Wird man dann von der Zeitarbeitsfirma nach Ablauf der Frist angerufen, könnte man zum Beispiel klagen, da man auf die Löschung der Daten bestanden hat.

Wer Hilfe im Umgang mit Leih- und Zeitarbeit braucht, kann sich natürlich auch gern an uns wenden. Denn leider gibt es viele Tricks der Arbeitgeber und Zeitarbeitsfirmen, Dauer, Lohn und andere Bestimmungen zu umgehen. Bei Bedarf schreiben Sie einfach eine Mail an: info(at)gegendiskriminierung.de, Betreff: Zeitarbeit. 

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