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Aufstocken: Gierige Unternehmer mit staatlicher Subvention

Aufstocken: Gierige Unternehmer mit staatlicher Subvention

Immer wieder schreiben wir über Menschen, die einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen und dennoch von ihrem Lohn nicht leben können. Allein in der Bundeshauptstadt Berlin sind es mehr als 60.000 Menschen, die dieses Schicksal teilen.

Bundesweit, so die Bundesagentur für Arbeit, können mehr als 1,2 Millionen Menschen von dem bisschen, das sie verdienen, nicht leben. Sie erhalten die Aufstockerleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II.

Aufstocker trifft man vor allem bei Reinigungskräften, Paketdiensten, Lagerarbeitern und in der Gastronomie an. Die Zahlen sprechen Bände: 53.000 Zusteller und Lagerarbeiter, die aufstocken müssen; 50.000 Verkäufer, 37.000 Köche, 33.000 Beschäftigte in der Gastronomie.

Natürlich erhalten auch sehr viele alleinerziehende Mütter, die nicht Vollzeit arbeiten können, dieses „Zubrot“ aus Steuermitteln. Und dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. Wenn allerdings Menschen aufstocken müssen, die Vollzeit und sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, und wir sprechen hier bundesweit vor mehr als einer halben Million, dann ist das eine Schande. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie von Unternehmern beschäftigt werden, die einfach nicht genügend Lohn bezahlen. Das Geld, das die Aufstocker erhalten, stammt aus den Steuermitteln. Als Schluss könnte man nun sagen: Die Steuerzahler subventionieren Betriebe, die ihre Angestellten nicht vernünftig bezahlen. 

Das Problem des Aufstockens ist auch ein ethisches. Und jeder, der z. B. in einem Restaurant essen geht, obwohl er weiß, dass das Personal dort aufstocken muss, sollte sich eben ein anderes Restaurant suchen. Und Unternehmer, die den billigsten Zustelldienst für ihre Post beauftragen, sollten sich dieser ethischen Verantwortung ebenfalls bewusst sein. 

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