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Hartz IV: Jobcenter greifen oft zu tief in die Privatsphäre ein

Hartz IV: Jobcenter greifen oft zu tief in die Privatsphäre ein

Viele Hartz-IV-Empfänger empfinden ihren Jobenter-Berater zu autoritär. Gerade in Großstädten würden die Betroffenen oft wie Massenware abgefertigt und mit sinnlosen Zwangsmaßnahmen belegt, so der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD). Auch mischten sich viele Berater zu sehr in das Privatleben ihrer Kunden.

Wer heute Hartz IV beziehen muss, ist in aller Regel nicht selbst an dieser Situation schuld. Dennoch werden Betroffene oft sehr autoritär beim Jobcenter behandelt. Für viele Menschen beginnt die Hartz-IV-„Karriere“ mit einer Art Seelenstrip. „Wer Leistungen nach dem ALG II bezieht, muss sich zunächst komplett offenbaren, alles offenlegen, was er hat, wie und wo er wohnt“, sagt Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net). Hoffmann habe zwar Verständnis dafür, dass diese Daten erhoben werden müssen, allerdings mache der Ton die Musik. „Uns sind Fälle bekannt, in denen die Berater tatsächlich in einem herablassenden Ton mit ihren Kunden umgehen. Sie werden stets mit Drohungen konfrontiert. Wenn man das nicht tue, werde einem jenes gestrichen“, sagt der DSD-Geschäftsführer. Diese Vorgehensweise verursacht bei labilen Menschen psychische Störungen.

Besonders unsensibel sind diejenigen, die Betroffenen weis machen wollen, dass sie selbst an ihrer Misere Schuld sind. Uwe Hoffmann: „Wer glaubt, dass man mit anderer Ernährung, mehr Schlaf, oder als Nichtraucher gleich wieder einen Job finden würde, der täuscht sich. Was man im Privatleben tut, wie man sich ernährt und viele andere Dinge sind Privatsache. Einen Arbeitgeber geht das gar nichts an. Im Jobcenter aber müssen sich viele derartige Vorwürfe anhören.“

Der Respekt gegenüber dem, der Pech hat, ist oft nicht mehr vorhanden. Viele Hartz-IV-Empfänger fühlen sich entmündigt und machen demütig alles, was das Jobcenter von ihnen will; von einer Maßnahme bis zu einem Ein-Euro-Job. „Das alles aus Angst vor zusätzlichen finanziellen Einbußen durch die Sanktionen“, erklärt Hoffmann. Dabei müsse man sich längst nicht alles gefallen lassen. Uwe Hoffmann: „Wer heute arbeitslos ist, ist ein Opfer der Arbeitsmarktpolitik und des sich selbst abbauenden Sozialstaates. Nicht persönliche Defizite des Einzelnen sind die Ursache der Arbeitslosigkeit, sondern die fehlenden Jobs.“ Hoffmann empfiehlt deshalb jeden Bescheid, vor allem die Sanktionsbescheide umgehend von Profis prüfen zu lassen. Der DSD bietet Betroffenen kostenlose Hilfe an. 

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