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Trotz Hartz IV: Jeder Tag muss für Kinder ein Kindertag sein

Trotz Hartz IV: Jeder Tag muss für Kinder ein Kindertag sein

Heute ist der internationale Kindertag. Viele Medien, die kritisch über Hartz-IV berichten, nehmen dies zum Anlass an arme Kinder zu denken und die Forderung nach höheren Regelsätzen zu wiederholen. Der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD) ruft deshalb Eltern und Politiker dazu auf, aus jedem Tag einen Kindertag zu machen.

Die Zahlen sind ernüchternd und den Politikern müssten ständig die Ohren klingeln: In Deutschland ist jedes siebte Kind von Hartz IV abhängig. Und es werden jährlich mehr. Allein im Jahr 2016 kamen zu den gut 1,54 Millionen Kindern, die in Hartz-IV-Familien aufwachsen, 30.000 neue dazu. „Trotzdem ziehe ich den Hut vor jeder alleinerziehenden Mama und jeder kleinen Familie, die ihren Sprösslingen eine glückliche Kindheit bieten“, sagt Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net).

Die schwierige finanzielle Situation, die ein wesentlicher Aspekt für das Konfliktpotenzial innerhalb einer Familie ist, kann durch Zuneigung und Wärme zwar nicht ausgeglichen, aber immerhin erträglich abgemildert werden. Uwe Hoffmann: „Was die finanzielle Situation betrifft, empfehle ich generell eine Prüfung der Hartz-IV-Bescheide. In vier von zehn Bescheiden stecken Fehler, die sich oft schon über Jahre fortsetzen und so einen stattlichen Betrag ausmachen können.“

Kinder in Hartz-IV-Familien sind oft von Freizeitaktivitäten ausgeschlossen, die Geld kosten. Das kann dazu führen, dass sie sich in der sozialen Gemeinschaft mit ihren Altersgenossen oder Mitschülern ausgeschlossen fühlen. „Manche Kinder schämen sich auch für ihre Eltern, wenn sie keine Arbeit haben“, sagt Hoffmann. „Das ist aber ein gesellschaftliches Problem, das man auch öffentlich klären muss. Wer heute arbeitslos ist, oder wird, ist ein Opfer des Arbeitsmarktes und in keiner Weise schlechter oder minderwertiger als andere.“  

Kinder sind unsere Zukunft. Leider hat das die Politik noch nicht wirklich begriffen. Gerade für Kinder müsse der Sozialstaat bessere Möglichkeiten schaffen, so Hoffmann. „Den Regelsatz um ein paar Euro für ein Kind anzuheben bringt nicht viel. Der Staat müsste für betroffene Kinder ganz andere Möglichkeiten der Teilhabe schaffen. Von der kostenlosen Schulspeisung bis hin zu monatlichen Kinogutscheinen – es gäbe viel zu tun. Jeder Tag ist Kindertag. Das muss nicht nur den Eltern, sondern auch den Verantwortlichen unseres Sozialstaates bewusst sein.“

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