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Kinderarmut: Berichten…bedauern…beiseite schieben

Kinderarmut: Berichten…bedauern…beiseite schieben

Die Presse ist wieder einmal voll mit Meldungen über die steigende Kinderarmut in Deutschland. Seit der Einführung der Hartz IV Gesetze, so der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD) habe sich die Zahl der armen Kinder beinahe verdoppelt. Staatlich geduldet und gesellschaftlich bedauert, ist Kinderarmut eng mit politischen Entscheidungen verbunden. Und genau die gelte es endlich zu ändern, so der DSD.

Die Ursachen der Kinderarmut bedingen sich häufig gegenseitig. Als Hauptursachen kann man neben Faktoren wie den Tod des Familienernährers, eine Scheidung oder den Verlust eines Arbeitsplatzes drei Bereiche nennen, so Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net): „Da sind die immer weniger werdenden normalen Arbeitsverhältnisse, die Auflösung dessen, was der Gesetzgeber unter Familie versteht und natürlich die Ausgestaltung unseres Sozialstaates.“ Seit der Einführung der Hartz-IV-Gesetze im Jahr 2005 hat sich die Zahl der armen Kinder beinahe verdoppelt!

Dass es immer mehr Arbeitslose und damit immer mehr arme Kinder gibt, liegt an den atypischen Arbeitsverhältnissen. „Ein normales Arbeitsverhältnis stellt heute ja schon eine Ausnahme dar“, sagt Hoffmann. „Dadurch wächst auch die Zahl der ‚working poor’, also derjenigen, die trotz Vollzeitjob auf staatliche Leistungen angewiesen sind.“ Auch sei die Definition dessen, was der Staat unter dem Begriff Familie versteht, veraltet. Uwe Hoffmann: „Nicht-eheliche Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende sind sehr gering abgesichert. Die Leistungen des Sozialstaates müssen dringend an die Realität angepasst werden.“

Kinderarmut wird gern bagatellisiert. „In Deutschland müsse doch keiner hungern“, oder „uns ging es noch viel schlechter“ sind Sprüche, die Hoffmann regelmäßig hören muss. Dabei sei Kinderarmut das größte politische und soziale Problem unserer Zeit. „Das Großwerden in Armut ist verbunden mit Ausgrenzung, wenig Teilhabe und geringeren Bildungschancen“, sagt der DSD-Geschäftsführer. „Wer weniger Erfahrungen machen kann, sich schlechter entwickelt und weniger lernt, nur weil er in Armut aufwächst, hat auf dem Arbeitsmart der Zukunft kaum Chancen. Die Politik, aber auch die Gesellschaft muss darauf endlich reagieren. Wir brauchen Konzepte, die den Kindern eine gute Zukunft bieten und ihre Lebenssituation verbessern.“ 

 

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