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Die Mindestlohn-Armut, oder: der Mitleidslohn

Die Mindestlohn-Armut, oder: der Mitleidslohn

Alleinerziehende Mütter in Deutschland tragen ein hohes Armutsrisiko. Rund 90 Prozent der Mütter, die einen Mindestlohn-Vollzeitjob haben, können davon nicht leben und sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Alleinerziehende seien die am meisten von Armut bedrohte gesellschaftliche Gruppe, so der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD).

„Ja, die Einführung des Mindestlohns war gut, aber nein, zum Leben reicht dieser für Alleinerziehende nicht“, sagt Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net). Neun von zehn alleinerziehenden Müttern, die einen Mindestlohn-Vollzeitjob haben, müssen staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, damit sie Leben und Wohnen können. Kein Wunder, dass immer wieder Stimmen laut werden, der Mindestlohn sei viel zu niedrig. Uwe Hoffmann: „In den meisten westlichen Eurostaaten liegt der Mindestlohn höher als bei uns. In Luxemburg z. B. bei 11,27 Euro und sogar in Großbritannien bekommt man – die Pfund-Abwertung eingerechnet – rund 9,92 Euro pro Stunde. Unser Mindestlohn liegt also im europäischen Mittelfeld und ich bezeichne ihn wegen unserer hohen Miet- und Lebenskosten gern als Mitleidslohn. Was ist, gerade für alleinerziehende Mütter, ein Mindestlohn wert, wenn man davon nicht mindestens leben und wohnen kann?“

90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Frauen und gerade in vielen frauentypischen Branchen reicht ein Vollzeitgehalt zwar als Zuverdienst in einer Familie. Nicht aber als Alleinverdienst. Uwe Hoffmann: „Das wissen auch die Jobcenter. Trotzdem werden alleinstehende Mütter immer wieder mit Weiterbildungen in genau solche Berufe als Verkäuferin, Frisörin, Erzieherin oder in die Pflegeberufe vermittelt. Dazu kommt die Ausweitung der Niedriglohn-Jobs, die es den betroffenen Frauen noch schwerer macht, finanziell unabhängig zu werden.“

Wie erfolglos die Vermittlung von Alleinerziehenden ist, zeigen die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Allein in den Jahren 2008 bis 2015 wurden für spezielle Förderprogramme, wie „Gute Arbeit für Alleinerziehende“ rund 85 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Die Zahl der arbeitslosen Alleinerziehenden ist zwar in diesem Zeitraum um 5 Prozent gesunken, aber der Anteil derer, die zusätzliche staatliche Leistungen in Anspruch nehmen müssen ist größer geworden“, so der DSD-Geschäftsführer. Hauptsache aus der Statistik? Uwe Hoffmann: „Kann man so sagen. Mit der Vermittlung in einen unterbezahlten Job tut man der Frau keinen großen Gefallen. Im Gegenteil, denn nach der Arbeit, den Kindern und dem Haushalt darf sich die Mutter dann auch noch um die teils umfangreiche Jobcenter-Bürokratie kümmern. Denn auch bei den Aufstockern stecken noch viele Fehler in den Bescheiden, die zu zusätzlichen finanziellen Einbußen führen können.“ Deshalb empfiehlt der DSD-Geschäftsführer immer wieder die ständige professionelle Überprüfung aller Bescheide, die der Verein sogar kostenfrei anbietet. 

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