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Die „Lohngruppe“, die es nicht geben dürfte: Vollzeit-Aufstocker

Die „Lohngruppe“, die es nicht geben dürfte: Vollzeit-Aufstocker

Immer öfter müssen Menschen in Vollzeitbeschäftigung den dürftigen Lohn mit aufstockenden Leistungen ausgleichen. Eine Entwicklung, die deutlich mache, dass manche auf dem Rücken der anderen den Sozialstaat ausnützten, so der Deutsche Schutzverband gegen Diskriminierung e. V. (DSD) und fordert mehr politisches Engagement gegen die Niedriglohnindustrie.

Uwe Hoffmann, der Geschäftsführer des DSD (www.mehr-hartz4.net) ist einer, der es gerne laut und deutlich sagt: „Wenn wir darüber diskutieren, was gegen die Arbeitslosigkeit in Deutschland getan werden muss, so müssen wir über die staatlich subventionierte Niedriglohnpolitik reden.“ Die trifft gerade die sogenannten Leiharbeiter, die Vollzeit beschäftigt sind, aber aufstockende Leistungen benötigen, damit sie Leben und Wohnen bezahlen können. Das gelte auch für die Minijobs, die überhaupt keine Perspektive für einen Wiedereinstieg ins Berufsleben eröffnen, so Hoffmann. „Man kann die Arbeitslosigkeit nicht mit Leiharbeit und Minijobs bekämpfen. Diese Art der Beschäftigung hilft allein den Verleiherbetrieben und den Unternehmen, die mit billigen Arbeitskräften konkurrenzfähig bleiben wollen, oder ihre Gewinnmargen ausweiten möchten.“

Der DSD wird nicht müde, immer wieder auf diesen Aspekt hinzuweisen. Die Arbeit, die man bräuchte, um alle Arbeitslosen in Lohn und Brot zu bringen, würde es schon wegen der technologischen Weiterentwicklung nie mehr geben, so Hoffmann. „Ich kann es nicht mehr hören, wenn Menschen über Arbeitslose herziehen und ihnen vorwerfen, sie würden von den Steuergeldern derer ihr Dasein genießen, die Arbeit haben. Mit unterstützenden Lohnzahlungen und aufstockenden Leistungen hilft man den Betroffenen nicht. Man hilft allein den Unternehmen, die sich ihrer sozialen und ethischen Verantwortung als Arbeitgeber entziehen.“

In Deutschland sind von rund 30,9 Millionen sozialversicherungspflichtigen und geringfügig Beschäftigten knapp 60 % von der fortschreitenden Technologisierung bedroht, so eine Studie von Frey und Osborne aus dem Jahr 2013. „In den kommenden 15 bis 20 Jahren, werden in Deutschland weitere 18 Millionen Arbeitsplätze wegfallen“, so Hoffmann. „Alle politischen Versprechungen über Vollbeschäftigung und Schaffung von Arbeitsplätzen sind eben nur das, was sie sind: politische Versprechungen. Zur Sicherung des sozialen Friedens und um der Gerechtigkeit willen müssen wir über andere Lösungen, wie dem bedingungslosen Grundeinkommen, nachdenken“, so der DSD-Geschäftsführer. 

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