Hartz-IV-Empfänger zum Ordnungsdienst verdonnert

Hartz-IV-Empfänger zum Ordnungsdienst verdonnert

Ordnungsdienst als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Hartz-IV-Empfänger? In Bönen gehört dies inzwischen zur Realität. Zwölf Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge patrouillieren durch die Gemeinde um Auskünfte zu erteilen beziehungsweise Anfragen und Verstöße aufzunehmen und an die Verwaltung weiterzuleiten. Die Maßnahme soll die Ein-Euro-Jobber auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und den Bürgern von Bönen ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung vermitteln.

Können die gestellten Ziele jedoch mit einer solchen Maßnahme erreicht werden? Der Westfälische Anzeiger (WA) spricht in jedem Fall von vielen kritischen Stimmen nach erfolgter Berichterstattung. Zumindest ein gewisses Scheitern und die Fragwürdigkeit der Maßnahme werden damit deutlich gemacht.

Hartz-IV-Empfänger sind nämlich auch so schon mit einem negativen Stigma behaftet. Wenn sie nun auch noch Bürger kritisch beäugen und ihnen aufgefallene Ordnungswidrigkeiten der zuständigen Stelle melden, wird sich daran auch nichts ändern. Im Gegenteil, sie werden noch weitere Ausgrenzung zu spüren bekommen. Petzen sind nun einmal nicht gern gesehen.

Ganz zu schweigen davon, dass ein Ein-Euro-Job eigentlich eine zusätzliche, nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt vorhandene Beschäftigung darstellen sollte. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob eine solche Zusätzlichkeit angenommen werden kann, auch wenn die Gemeinde laut WA von einer „Ergänzung zur Arbeit des Ordnungsamtes“ spricht. Dass das Ordnungsamt nicht genügend Zeit hat, Ordnungswidrigkeiten festzustellen, obwohl es doch zu dessen Aufgabengebiet gehört, ist bereits ein echtes Armutszeugnis. Nun sollen auch noch Hartz-IV-Empfänger ohne entsprechende Entlohnung diese Tätigkeit übernehmen.

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