Mindestlohn-Ausnahme wirkungslos – Abschaffung Fehlanzeige

Mindestlohn-Ausnahme wirkungslos – Abschaffung Fehlanzeige

Noch weniger als den Mindestlohn bekommen? Langzeitarbeitslose sollen so besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, belegt jetzt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass diese Mindestlohn-Ausnahme für die Katz ist – von einer Abschaffung dennoch keine Spur.

Stellen Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen ein, dürfen sie diesem sechs Monate lang weniger als den Mindestlohn zahlen. Der Studie zufolge zeigt sich aber kein Interesse an der Nutzung dieser Regelung, auch von Arbeitgeberseite nicht. Sie fände demnach nur in Ausnahmefällen Anwendung.

Wer jetzt gleich Luftsprünge machen will, sei gewarnt: Nur weil Arbeitgeber diese Regelung nicht nutzen möchten, sehen sich Langzeitarbeitslose nicht gleich weniger Benachteiligungen gegenüber. Alle aufkommenden Hoffnungen werden sofort im Keim erstickt, da viele Arbeitgeber sie nämlich überhaupt nicht erst einstellen. So zeigt das Gutachten auch die trotz Ausnahme vorherrschenden Vorbehalte auf, vor allem hinsichtlich der Produktivität.

Darüber hinaus kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Langzeitarbeitslosen selbst häufig gar nichts von der Regelung wissen. Für die Jobcenter wäre die Nutzung mit Mehrarbeit verbunden. Zudem werde sie als Diskriminierung angesehen. Verständlicherweise, da so die Möglichkeit geboten wird, trotz gleicher Leistung weniger als die Arbeitskollegen zu verdienen.

Eigentlich sollte daher davon ausgegangen werden, dass eine Regelung bei bewiesener Wirkungslosigkeit abgeschafft wird. Dafür gibt es aber keinerlei Anzeichen, obwohl auch die Arbeitsministerin Andrea Nahles eine Empfehlung zur Abschaffung ausgesprochen hat.

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