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Mehr Hartz-IV-Aufstocker trotz Mindestlohn

Mehr Hartz-IV-Aufstocker trotz Mindestlohn

Ersten kommt es anders, zweitens als man denkt. Im Jahr 2015 wurde in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Ein Argument für ihn war, dass man durch die Anhebung der geringen Löhne viele Beschäftigte aus der Abhängigkeit von ergänzenden Sozialleistungen befreien könnte. Die letzt verfügbaren Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen allerdings eher das Gegenteil. Im September 2015 erhielten 592.215 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zu ihrem „Lohn“ ergänzende Leistungen, sprich Hartz IV. Ein Jahr vorher waren es rund zweieinhalb tausend weniger. 

 

Das Argument, dass mit dem Mindestlohn weniger Menschen aufstocken müssten, ist demnach durch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit widerlegt. Rückläufig war die Zahl der Aufstocker lediglich bei den Vollzeitbeschäftigten. Dass ein Vollzeitbeschäftigter aber überhaupt aufstocken muss, ist ein ganz anderes Thema.

Wie kommt es aber nun, dass die Zahl der Aufstocker insgesamt gesunken ist? Das liegt an den Minijobs. Die Zahl der Minijobber, die auf Hartz-IV angewiesen waren, lag im September 2015 nämlich um 53.000 niedriger als ein Jahr zuvor. Gerade dieser Rückgang erklärt, warum die Zahl der Aufstocker Ende 2015 insgesamt gesunken ist. Stellt sich die Frage, woran es liegt, dass ein Minijobber kein Hartz-IV mehr braucht. Am guten Lohn oder eher daran, dass es den Job nicht mehr gibt?

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