Bild: Fotolia.de

Rentendiskussion verdrängt absurde Hartz-IV-Reform

Rentendiskussion verdrängt absurde Hartz-IV-Reform

Ja, man muss über die Rentenproblematik in unserem Land reden. Das ist gut für die Stimmungsmache angesichts der kommenden Bundestagswahlen im nächsten Jahr. Und gut ist es auch, weil damit andere unangenehme Themen aus der öffentlichen Diskussion verschwinden. Wie zum Beispiel die Reform der Hartz-IV-Gesetze und deren Auswirkungen. Erst unlängst berichteten wir von der absurden Idee, dass Alleinerziehende zur Kasse gebeten werden sollen. Nämlich genau dann, wenn das Kind beim Partner verweilt. Frei nach dem Motto: Das Kind muss an diesem Tag nicht duschen, nicht frühstücken, die Heizung im Kinderzimmer bleibt aus, da kann man doch Geld sparen. Doch wenn man genauer darüber nachdenkt, eine absolut lebensferne Idee, die sich Bundessozialministerin Andrea Nahles mit ihren Genossen da ausgedacht hat.

 

Bislang konnte der Partner, bei dem das Kind nicht hauptsächlich wohnt, einen Mehrbedarf geltend machen. Dieser wurde zwar von Amt zu Amt unterschiedlich entschieden, aber möglich war das. Die Gesetzesverschlechterung, Verzeihung, die Gesetzesänderung soll nun auf Kosten der Alleinerziehenden sparen.

 

625.000 Haushalte von Alleinerziehenden sind in Deutschland auf die Grundsicherung angewiesen. Und genau diese Gruppe – beinahe ausschließlich Frauen, sollen nun zur Kasse gebeten werden. Denn wenn ein sechs bis 14 Jahre altes Kind an zwei Wochenenden im Monat beim Vater verweilt, sollen der Mutter 36 Euro abgezogen werden. Das Kind wird aber den am Freitag gekauften Apfelsaft am Montag trinken, die Miete und Versicherungen laufen weiter. Eine Schande für unseren Sozialstaat – vor allem wenn man bedenkt, dass den Müttern das Geld auch dann abgezogen werden soll, wenn der Vater gar keine Sozialleistungen beziehen muss.

 

Nebenbei bemerkt kann sich kein Mensch vorstellen, wie diese tageweise Abrechnung die Verwaltung entlasten soll. Das ist ein Ergebnis aus den zweijährigen Tüfteleien der Politik. Starke Leistung, echt. Doch wie erwähnt führen wir gerade sehr emotionale Diskussionen über das Problem von Morgen und Übermorgen: Der Rente. Doch wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen!

© by Deutscher Schutzverband gegen Diskriminierung e.V. (DSD e.V.)