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Mit dem Wirtschaftswachstum wächst die Kinderarmutsquote

Mit dem Wirtschaftswachstum wächst die Kinderarmutsquote

Im September 2015 lebten bundesweit 1,66 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Familien, die Hartz-IV bezogen. Das bedeutet, dass diese Familien weniger als 60 Prozent der mittleren Haushaltseinkünfte zur Verfügung haben, so schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger heute. Im Westen der Republik nahm die Kinderarmut zu: sie stieg auf nun 14 Prozent (vorher 13,6).

 

Obwohl der Anteil von Hartz-IV-Haushalten im Osten Deutschlands mit 22,4 Prozent deutlich über dem Schnitt im Westen liegt, ist die Kinderarmutsquote jedoch zurückgegangen. So leben in Thüringen „nur“ 16,7 Prozent der unter 15-jährigen Kinder in Familien mit Grundsicherungsleistungen.

 

Von der Kinderarmut besonders betroffen sind die Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen. Alles in allem kann man den Zahlen entnehmen, dass ein großer Teil der Kinder in Deutschland von dem wirtschaftlichen Wachstum abgekoppelt sind. Schon im vergangenen Jahr haben DGB und BDA für drei Jahre 780 Millionen Euro von Vater Staat gefordert. Dieser Betrag solle gezielt Hartz-IV-Familien mit Kindern fördern.

 

Ein seltsamer Beigeschmack entsteht, wenn man das Wachstum in Deutschland betrachtet. Dieses liegt aktuell bei 1,7 Prozent, die Beschäftigung und die Reallöhne sind gestiegen (so wird dies zumindest offiziell kommuniziert), die Binnennachfrage hoch, die Arbeitslosigkeit niedrig, wie nie zuvor im wieder vereinten Deutschland. Ob es einen direkten Zusammenhang über die steigende Wirtschaft und die Kinderarmut gibt? Der Schlüssel dieses Geheimnisses könnte die steigende Zahl der Leih- und Zeitarbeiter sein, die staatlich bezuschusst (Aufstocker) für höhere Gewinne und weniger Einkommen in der eigenen Familie sorgen. Wieder ein Grund mehr, den Jobcentern genau auf die Finger zu schauen und wirklich jeden Bescheid, auch die Sanktionsbescheide, fachlich prüfen zu lassen. Bei uns wie immer kostenlos und unkompliziert. 

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