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Laute Kritik: DM-Gründer will Hartz-IV abschaffen

Laute Kritik: DM-Gründer will Hartz-IV abschaffen

Professor Götz Werner, der Gründer der dm-Drogeriemarkt-Kette, hat sich in einem Interview mit der Spreezeitung für eine Abschaffung von Hartz IV laut gemacht. Dass man Hartz IV zulasse, sei ein Skandal, so der 72-jährige Unternehmensgründer. Schon im Jahr 2010 hatte sich Werner für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) von 1.000 Euro im Monat stark gemacht. Dabei verglich er schon damals das BGE mit einer Lebensgrundlage, wie sie – zu Zeiten der Römer – das eigene Stück Grund und Boden darstellte.

Die Ideen Werners sind nicht neu, werden von der Politik jedoch stets mit finanziellen Bedenken flankiert. So fragte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Bürgerforum, wer denn dann überhaupt noch arbeiten gehen würde. Dabei haben Umfragen in der Schweiz und in nordischen Ländern der vergangenen Jahre längst gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Bevölkerung Arbeit im Fall des BGE ablehnen würde. Stattdessen würden die Menschen sich eher selbständig machen und ihre „Berufung“ verwirklichen.

Über die Finanzierung des BGE gibt es verschiedene Modelle: von der radikalen Reform der Steuerpolitik bis zu einer Umlage der staatlichen Überschüsse. Schon 2010 rechnete Werner vor, dass man bei einem Bruttosozialprodukt von 2.500 Milliarden Euro und Konsumausgaben von 1.800 Milliarden Euro genug Geld hätte um 82 Millionen Menschen ein BGE zu bezahlen.

Götz Werner, der 1973 die dm-Kette gründete, hat wenig Verständnis dafür, warum sich so viele Menschen Hartz-IV gefallen lassen. „Wir haben uns an eine Opferrolle gewöhnt und schimpfen darüber“, so Werner gegenüber dem Focus.  Politiker aber seien wie Segler; sobald der Wind sich drehe, ändern sie ihren Kurs. Der Wind aber müsse aus der Gesellschaft kommen. Und bis das ungerechte Hartz-IV-System der Vergangenheit angehört, heißt es sich zu wehren. Jeden Bescheid prüfen lassen, die Jobcenter ständig nach Möglichkeiten wie echter Weiterbildung und Berufschancen zu löchern und – letztlich auch einmal auf die Straße zu gehen. Denn wie Werner schon sagte: Wenn sich der Wind dreht, dann wechselt auch die Politik ihren Kurs. Dass dies tatsächlich funktioniert, sieht man an den aktuell geführten Debatten zur Flüchtlingskrise. 

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