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Kaum Aussicht auf Hilfe: Kinder in Hartz-IV

Kaum Aussicht auf Hilfe: Kinder in Hartz-IV

Wie die Hans-Böckler-Stiftung vermeldet, leben allein in Thüringen mehr als 44.000 Kinder von Hartz-IV-Leistungen. Die gewerkschaftsnahe Stiftung beziffert deshalb die sogenannte Armutsgefährdungsquote für Kinder in Thüringen mit 23,7 Prozent. Auch gut deutsch: Jedes vierte Kind lebt im Freistaat in einer Familie, die so wenig Geld hat, dass die Kinder als armutsgefährdet gelten. Auch wenn, wie wir gestern erst berichteten, die Armutsquote in Deutschland um nicht nennenswerte 0,1 Prozent zurückgegangen ist, so nimmt die Armutsgefahr für Kinder und Jugendliche stetig zu. Gerade in den ostdeutschen Ländern sei die Armut von Kindern besonders hoch.

Dass Kinder nicht immer das neuste Handy und Markenklamotten brauchen, steht natürlich völlig außer Frage. Allerdings muss man wissen, dass Kinder aus Hartz-IV-Familien in ihren Chancen für Bildung und Beruf schlechter dastehen, als andere. Bei vielen Kindern stellen Pädagogen schlechtere Motorik, Konzentrationsschwächen und schlechtere Leistungen in Deutsch und Mathematik fest. Für viele Kinder ist es nicht möglich in Sportvereine zu gehen, Musikinstrumente zu lernen oder sich anderweitig in der Freizeit in Vereinen zu engagieren, da schlichtweg das Geld fehlt. Dass es für diese Eltern – in einem Land, das im vergangenen Jahr einen Überschuss von mehr als 12 Milliarden Euro erwirtschaftet hat – nicht mehr Unterstützung gibt, ist völlig unverständlich.

Viele Verbände kritisieren auch, dass trotz des Bildungs- und Teilhabepakets für Kinder im Hartz-IV-Bezug, zu wenig getan wird. Gerade deren Eltern darf man bei der Arbeitsvermittlung nicht in aussichtslose Beschäftigungsverhältnisse mit Niedriglohn schicken. Kindern könnte man viel mehr helfen, wenn deren Eltern langfristige und sozialverischerungspflichtige Arbeitsverhältnisse vermitteln werden würden. Hätte die Politik tatsächlich Interesse, diesen sozialen Missstand zu beseitigen, würde man schon längst eine Grundsicherung für Kinder einführen. Auch wichtig: Die Jobcenter sollten die Eltern aus eigenen Stücken auf alle Möglichkeiten der Mehrbedarfe für Kinder hinweisen. Davon gibt es einige. Betroffene können sich auch gern an uns wenden; wir lassen ihre Bescheide auch diesbezüglich kostenlos prüfen.

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