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Mit steigender Armut nehmen auch die Gerichtsverfahren zu

Mit steigender Armut nehmen auch die Gerichtsverfahren zu
Auch wenn es offiziell ungern zugegeben wird, die Armut in Deutschland nimmt zu. Dies betrifft in Zukunft hauptsächlich ältere Menschen im Rentenalter, aber auch die Kinderarmut ist ein Thema in Deutschland, das nicht unter den Tisch gekehrt werden darf. Gerade bei den Tafeln ist das deutlich zu erkennen. Im Harz z. B., einer Region, die als eine der ärmsten gilt, nehmen Monat für Monat mehr Menschen das Angebot der Tafeln an. In Quedlinburg, einer Stadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, kommen jeden Monat 1.800 Menschen. 60 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Bedürftigen. Gerade die zunehmende Altersarmut berührt die dortige Leiterin Marlies Röbbeling. Innerhalb eines Monats ist die Zahl der Arbeitslosen, die älter als 50 sind um 4.300 auf jetzt 50.000 Menschen gestiegen. Die Zahl derer, die in den kommenden vier Jahren im Ruhestand auf Grundsicherung angewiesen sind, wird sich vervierfachen.

Bei den Sozialgerichten steigt indes die Zahl der Prozesse, in denen es um Hartz IV geht. In Nordrhein-Westfalen ist es schon jede dritte Verhandlung. Der Bedarf an sozialem Rechtschutz ist sehr groß. In der Stadt Essen gingen im letzten Jahr 82.300 Verfahren ein; damit man die alten Fälle überhaupt verhandeln kann, wurden im letzten Jahr acht weitere Richter eingestellt, in diesem Jahr sollen noch weitere vier dazu kommen.

Ob die steigende Zahl der Gerichtsverfahren in Sachen Hartz IV ein Zeichen dafür ist, dass sich die Betroffenen besser gegen Fehler in den Bescheiden oder gegen die teil menschenunwürdige Behandlung wehren, kann man nicht genau sagen. Fest steht jedoch, dass in den Jobcentern ein bürokratischer Irrsinn betrieben wird; So verwundert es nicht, dass weniger als die Hälfte aller Mitarbeiter tatsächlich für die Vermittlung von Arbeit zur Verfügung stehen. Der Rest verwaltet.

Sowohl die Quote für fehlerhafte Bescheide, als auch die für Gerichtsverfahren mit positivem Ausgang für Hartz-IV-Empfänger liegt noch über 50 Prozent. Rechnerisch steckt in jedem zweiten Bescheid ein Fehler, der dem Bedürftigen bares Geld kostet.

Deshalb sollte man wirklich jeden Bescheid prüfen lassen. Denn nur wenn man ständig auf Fehler hinweist, kann sich langfristig auch einmal etwas ändern. Wir helfen kostenlos. 

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