Stromsperre: Amtsgericht Kassel setzt Zeichen

Stromsperre: Amtsgericht Kassel setzt Zeichen

Gerade in Hartz-IV-Haushalten ist sie keine Seltenheit: die Stromsperre. Wer seine Stromrechnung nicht bezahlen kann, bekommt auch keinen Saft mehr. Doch ganz so einfach ist das nicht, wie das Amtsgericht in Kassel unlängst bewies. Einem 36-jährigen wurde schon das dritte Mal der Saft abgedreht, weil er nicht pünktlich seine Stromschulden bezahlen konnte.

Nach der letzten Stromsperre ging der Mann zum Amtsgericht und stellte einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Stromversorger. Dieser sollte per Gericht dazu verpflichtet werden, den Strom wieder anzustellen. Das Amtsgericht sah dies genauso, da der Mann lediglich mit 84 Euro im Rückstand war. Stromsperrungen sind erst ab einer Gesamtschuld von 100 Euro möglich, so sieht es der Grundversorgungsvertrag vor.

Die betroffenen Stadtwerke machten geltend, dass der Kläger auch Gasschulden habe und diese sich mit den Stromschulden zu einem Gesamtbetrag von mehr als 100 Euro summieren. Das Amtsgericht ließ das Argument nicht zu und erklärte, dass Strom- und Gas gesondert betrachtet werden müssen.

Der Kläger selbst ist kein unbeschriebenes Blatt; er gab zu sich nach der letzten Stromsperrung am Zählerkasten zu schaffen gemacht zu haben, um seine Energieversorgung wieder sicher zustellen. Gegen den 36-jährigen laufen verschiedene Anzeigen wegen Sachbeschädigung, Urkundenvernichtung und der Entziehung elektrischer Energie. 

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