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Wenn Zahlen das wahre Elend offenbaren – Beispiel Halle (Saale)

Wenn Zahlen das wahre Elend offenbaren – Beispiel Halle (Saale)

Die Stadt Halle an der Saale hat den höchsten Anteil von Sozialleistungsempfängern in Sachsen-Anhalt. Fast jeder Fünfte lebt von ihnen. Wie die Mitteldeutsche Zeitung am gestrigen Montag veröffentlichte, wurden im vergangenen Jahr fast 250 Millionen Euro Hartz-IV-Gelder an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ausgegeben. 20 Millionen davon seien für integrationsfördernde Maßnahmen ausgegeben worden, denn Bildung und Qualifikation würden eine Hauptrolle bei der erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt spielen. Das Fazit dieser Maßnahme: 1.200 Menschen wurden über eine Weiterbildung qualifiziert, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nun eine Arbeit haben – aber wenigstens wurden sie für den Arbeitsmarkt FIT gemacht.

Die Zahlen mögen insgesamt stimmig sein. 19,6 % der Einwohner sind Hartz-IV-Empfänger, das sind rund 45.000 Personen; jeder von ihnen bekam im Durchschnitt im vergangenen Jahr 422 Euro/Monat und einmalig 440 Euro für integrative Maßnahmen. Das Jobcenter in Halle sei zuversichtlich auch den künftigen ALG-II-Empfängern, die als Asylsuchende in die Stadt an die Saale kommen, spezielle Förder- und Beratungsangebote anbieten zu können.

Wer nun das Glück hat, nicht von Sozialleistungen leben zu müssen, wird diesen Artikel wohlwollend betrachten. Fast eine Viertelmilliarde Euro klingen ja erstmal gut. Doch für die, die ein oder zweimal wöchentlich zur Tafel zum Einkaufen gehen, deren Kinder die gleichen Bildungschancen wie anderen Kindern verwehrt werden und diejenigen Alleinerziehenden, die versuchen vom Amt subventionierte, unterbezahlte Jobs mit Kindern und Haushalt auf einen Nenner zu bringen, wird es auch zukünftig keine positiven Änderungen geben. Deshalb ist es umso wichtiger, jeden Bescheid vom Fachmann prüfen zu lassen, damit man wenigstens das bekommt, was möglich ist. Denn Zahlen sind kalt. Und auch wenn sich mancher Erwachsener vielleicht mit seinem Schicksal als Hartz-IV-Empfänger zwangsweise abgefunden hat; für die Kinder, denen vom Start weg die Chancengleichheit geraubt wird, ist die Situation unerträglich.

 

 

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